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Überschreitung der Kompetenzen des Rettungsassistenten durch Stellung einer eigenen Diagnose und unterlassener 

Herbeiführung einer notärztlichen Abklärung von akuten Brustschmerzen; Anwendung der zur Arzthaftung entwickelten Beweislastregeln im Rahmen des Amtshaftungsanspruchs; Schmerzensgeldbemessung

 

Leitsatz

 1. Ein über akute Brustschmerzen klagender Patient muss, sofern die Schmerzen nicht offensichtlich eine herzfremde Ursache haben, einer notärztlichen Abklärung zugeführt werden.(Rn.19) 

2. Es übersteigt die Kompetenz eines Rettungssanitäters, unklare Brustschmerzen diagnostisch einem herzfremden Krankheitsbild zuzuordnen.(Rn.19)  

3. Nimmt ein Rettungssanitäter pflichtwidrig eine entsprechende Einordnung vor, wird er im Kompetenzbereich des Arztes tätig, was eine Anwendung der zur Arzthaftung entwickelten Beweislastregeln im Rahmen des Amtshaftungsanspruchs gestattet (Abgrenzung zu OLG Köln, Urteil vom 22. August 2007, 5 U 267/06).(Rn.26)

 Orientierungssatz 

Wenn Rettungssanitäter die von einem Patienten geklagten unklaren akuten Brustschmerzen unter Überschreitung ihrer Kompetenzen diagnostisch einem herzfremden Krankheitsbild zugeordnet und die Herbeiführung einer notfallärztlichen Abklärung unterlassen haben und die verspätete Einlieferung des Patienten zu einem teilweisen Absterben von Herzmuskelgewebe sowie im Weiteren zur Herausbildung einer Herzinsuffizienz mit den Symptomen Belastungsluftnot und Leistungsschwäche geführt hat, wobei die damit verbundenen Folgen letztlich auch für eine Verstärkung einer chronisch depressiven Verstimmung des Patienten ursächlich waren, hat der Patient Anspruch auf ein Schmerzensgeld, um die erfolgte fehlerhafte Behandlung bzw. die dadurch verzögerte erforderliche Behandlung auszugleichen.(Rn.28)  

Quelle: Urteil KG Berlin vom 19.05.2016, Az. - 20 U 122/15 -, JURIS

 

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